Die Paulsenvilla – Ein Videowalk

In einem Videowalk vermischen sich Realität und Virtuelles, Vergangenes und Gegenwärtiges. Besucher*innen bewegen sich alleine, geführt von dem Video auf einem Tablet, durch die baufällige Paulsenvilla in Brunsbüttel-Ort. Die Villa gibt Einblicke in die 100-jährige Geschichte ihres Daseins.

Konzept, Regie
Malte Andritter

Visuelle Gestaltung, Schnitt
Samuel Bereuther

Sounddesign
Hans Peters

Licht- und Tontechnik
Steffen Hauschildt

Projektmanagement
Susanne Dutz, Marion Hase, Katrin Hauschildt

Maskenbild
B. L., Doris Helliesen

Entwickelt im zweiten Lockdown von
Susanne Dutz, Marion Hase, Katrin Hauschildt, Birgit Imme Helmers, Jutta Michalczyk, Marie Wollatz

Special Guests
Wilfried Hansen, Flynn Haupthoff, Louisa Hauschildt

Erfahrungsbericht von Marie Wollatz

„Dein Mikro funktioniert wieder nicht“, „Seht Ihr mich?“, „Ich geh nochmal raus, bin gleich wieder da“, „Ich muss noch schnell die Kinder ins Bett bringen“, „Mein Link funktioniert nicht“.

Das waren wohl die meist gesagten Sätze in unseren Online-Treffen zum Theaterlabor Wendepunkte. So erging es in den ersten Monaten des Jahres 2021 wohl sehr vielen. Trotz einer Pandemie und eines monatelang anhaltenden Lockdowns wollten wir es uns nicht nehmen lassen, Theater zu machen. Um ehrlich zu sein, konnten wir uns am Anfang überhaupt nicht vorstellen, wie solch ein Projekt funktionieren sollte. Wegen der Pandemie durften wir uns nicht persönlich treffen, unsere Proben würden deshalb online abgehalten werden. Wir waren sehr mutig, fassten Vertrauen und ließen uns auf das Neue ein. Das Thema war uns bekannt: Wendepunkte. Dazu konnte jeder etwas beitragen. Nur wie sollte das ganze umgesetzt werden?

Malte Andritter gab den Impuls und bald war die Idee entstanden zur Paulsenvilla in Brunsbüttel einen Videowalk zu entwerfen. Nun musste es mit Leben gefüllt werden. Jeden Dienstagabend trafen wir uns online für zwei Stunden mit allen besagten Schwierigkeiten. Schnell waren die ersten Gedanken zur Paulsenvilla gesammelt. Wer hatte dort gewohnt? Liegt nicht das „Hotel zur Traube“ nebenan? Wen kann man in Brunsbüttel fragen, der noch was zur Villa weiß? Wer kannte die Familie Paulsen?

Paulsenvilla? – für mich stellten sich viele Fragen. Die Brunsbüttler kennen die Villa. Sie wussten, wo sie lag und alle erzählten von dem besonderen Zaun, der sie umgab und dass er so schön war. Ich wohne in Wesselburen, stamme aus Sachsen und hatte bis dato die Paulsenvilla noch nicht einmal gesehen. Wie sollte ich einen Bezug dazu aufbauen?

Malte drehte einen ersten Entwurf eines Videowalks. Das war meine erste Begegnung mit der Villa – online. Um uns das Reinkommen in das Projekt zu erleichtern, stellte Malte Aufgaben: beschreibe das Haus, welche Erinnerungen und Gefühle könnte man mit der Villa verbinden, entwickle eine Führung durch die Villa.

Wir interviewten Michaela. Sie hatte in den achtziger Jahren bei Frau Paulsen Unterricht bekommen und genau genommen an das Grab der Familie meines Mannes. Und dort staunte ich nicht schlecht, auf dem Grabstein seiner Oma stand: Berta Wollatz, geb. Schmielau. Schmielau… der Name kam doch im Projekt Paulsenvilla vor. Ich bekam Gänsehaut und einen Moment fühlte es sich so an, als stünde Berta Wollatz neben mir. Konnte das sein? War Berta Wollatz mit Eycke Schuchardt geb. Schmielau und damit mit Maria Schmielau, geb. Paulsen verwandt?

Malte baute einen Kontakt zu verbliebenen Verwandten auf. In Amerika lebt Eycke Schuchardt, die Tochter von Maria Paulsen. Wir recherchierten im Internet und bald war ein Stammbaum der Familie Paulsen aufgestellt. Eycke schickte jede Menge Fotos und Familienerinnerungen aus Amerika. Wir konnten dadurch den früheren Glanz der Villa erahnen und versuchten uns in Situationen hineinzuversetzen.

Durch den Besuch im Stadtarchiv Brunsbüttel sowie durch Interviews mit dem Geschichtsverein und dem ehemaligen Bürgermeister konnten Verbindungen zwischen der jetzigen Situation der Leerstände in der Stadt und der zum Teil gescheiterten Industrialisierung des Ortes in den 70er Jahren durch die äußeren Einflüsse der Globalisierung hergestellt werden.

An 8 Tagen Ende Juli wurden die selbst entwickelten Szenen in der Villa gedreht. Im August stand die Postproduktion (Sounddesign und Schnitt) an, sodass im Rahmen von Freunden und Vertreter*innen der Stadt zwei Filmvorführungen im Elbeforum Brunsbüttel gezeigt wurde.

Seit dem 14. September 2021 können sich Besucher*innen den Videowalk in der Paulsenvilla anschauen.

Drehschluss!

Presse

Zwischen Fiktion und Realität (Brunsbütteler Zeitung am 13.06.2021)

Erfolgreich abgedreht (Brunsbütteler Zeitung am 03.08.2021)

Auf einer Reise in die Vergangenheit (Brunsbütteler Zeitung am 27.09.2021)

Brunsbüttel: „Video-Walk“ durch eine verlassene Villa (NDR Schleswig-Holstein Magazin am 02.10.2021)

Gefördert durch: